Blogparaden sind nicht so mein Ding. Eigentlich. Meistens läuft mir die Zeit davon und die Parade ab. Und man hat ohnehin das Gefühl, alles wurde bereits von allen gesagt. Manchmal aber juckt es mich doch in den Fingern. So wie bei dem Thema, das Mike Schnoor jetzt angeschnitten hat. Es geht um “Blogger Relations” – wie Unternehmen mit Bloggern in Kontakt treten und, was es dabei zu beachten gibt.

Durch meinen Blog “Laufen mit Frau Schmitt” bin ich mit dem Thema oft konfrontiert und je mehr Mails von PR-Agenturen und Unternehmen in meine Mailbox flattern, desto verblüffter bin ich, wie tapsig, gedankenlos oder auch arrogant die Kontaktversuche von statten gehen. Sie sind oft nicht besonders freundlich, dafür aber schablonenhaft und hartnäckig. Auf Dauer bekommt man bei soviel Unvermögen wirklich einen dicken Hals. Besonders dann, wenn man nicht nur Blogger ist, sondern auch Marketingmensch. Oft ist es mir regelrecht peinlich, dass die Schreiber in der gleichen Branche sind wie ich.

Beispiel 1: Die Betriebsblinden.

Die Betriebsblinden schreiben Mails, die im Ton meterweit daneben liegen. Sie haben keinerlei Gefühl dafür, wie andere Menschen denken, die nicht für das Unternehmen arbeiten, in dessen Namen sie gerade schreiben. Sie sehen nur ihr eigenes großartiges Produkt und glauben, jeder Blogger müsste vor Glück in die Knie gehen, wenn er ihr Angebot liest. Betriebsblinde verwenden oft Marketingsprech und schreiben bevorzugt aus der eigenen Perspektive z.B.: “Da Sie für uns ein wichtiger Influencer sind, würden wir gern mit Ihnen zusammenarbeiten.”  Über mein Lieblingsbeispiel eines Betriebsblinden habe ich vor einigen Wochen schon einmal geschrieben. Eine Dame von Tchibo war so begeistert von ihrem eigenen Angebot, dass sie vollkommen vergaß, zu fragen, ob man denn überhaupt an ihrer Aktion teilnehmen will. Sie hat es schlichtweg vorausgesetzt. Ein klarer Fall von Betriebsblindheit.

Beispiel 2: Die Tumben.

Der Betriebsblinde mag ungeschickt sein. Beim Tumben aber ist alles zu spät. Er schreibt Sätze wie: “Ich habe auf Ihrer Homepage verschiedene Inhalte gesehen, wo wir ggf. eine kleine Integration zu Ihrem und auch unserem Thema herstellen könnten.” Soso. Der Tumbe merkt nicht, wie irrwitzig seine Sätze sind. Er merkt auch sonst nicht viel. Der Schreiber des obigen Zitats schrieb, dass er Laufen mit Frauschmitt ganz super fände. Die Mail ging an frau-schmitt@… In der Anrede stand: “Sehr geehrter Herr Schmitt,…” Tumbe fassen immer mindestens einmal nach, wenn sie keine Antwort erhalten. Wie gesagt, sie merken nicht viel.

Beispiel 3: Die Dementen.

Die Dementen stellen einen Kontakt her, vergessen dann aber, dass er je bestand. Bei meinem Musterbeispiel wurde mir ein Produkt zum Testen geschickt. Vor Monaten. Zuvor wechselten wir einige Mails, ich erklärte mich unter bestimmten Umständen bereit zum Test. Ich mache dergleichen nur sehr selten, hier passte das Produkt zu einem Thema, über das ich schreiben wollte. Als das Produkt eintraf, hatte ich Fragen. Es fehlte so etwas wie eine Gebrauchsanweisung und ich wollte meinen Lesern ja genau erklären, wie das Produkt zu handhaben ist. Auf der Homepage des Unternehmens war nichts darüber zu finden. Auch sonst wollte ich noch einige Dinge wissen. Die PR-Agentur, die mir das Produkt geschickt hatte, erinnerte sich mit letzter Kraft an mich und gab meine Fragen an das Unternehmen weiter. Seither herrscht Funkstille. Das Produkt ist sehr gut. Ich habe nie darüber geschrieben.

Zweifellos gibt es auch sehr unangenehme Zeitgenossen unter den Bloggern, denen es ausschließlich darum geht, Waren abzugreifen. „Die Unternehmen“ gibt es genauso wenig wie „Die Blogger“. Aber gerade deshalb muss man umso gründlicher hinterfragen, was das Ganze eigentlich soll. In den Mails und auch in der Blogparade ist öfter von einer „langfristigen Zusammenarbeit“ die Rede. Mich stört der Begriff erheblich. Als Bloggerin möchte ich mit keinem Unternehmen auf redaktioneller Ebene zusammenarbeiten. Alles, was mein Blog ist, habe ich mir selbst „erschrieben“. Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit. Wie kann ich diese Werte hochhalten, wenn ich mit einem Unternehmen „zusammenarbeite“? Auf redaktioneller Ebene schließt sich das aus. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Ich habe in meinem Blog schon leidenschaftlich für Produkte geworben, weil ich ebenso leidenschaftlich davon überzeugt war. Aber es fühlt sich nun mal am Besten an, wenn man den Kram selbst gekauft und bezahlt hat. Was bei Techblogs o.k. ist, weil es wirklich um ein qualifiziertes Testing geht, wird bei anderen schnell komisch. Es ist lächerlich, wenn Kollegen über banale Dinge wie T-Shirts schreiben. („Der Aufdruck ist Geschmackssache, mir hat er gefallen.“)

Wenn man wirklich mit Bloggern ins Gespräch kommen will, muss es andere Wege geben, als sie mit Waren zuzuschütten, in der Hoffnung, dass sie positiv darüber schreiben. Es wird höchste Zeit, dass Unternehmen kreativ werden.

Titelbild: © Artur Marciniec –fotolia.de