Wenn ich am Computer sitze, werde ich häufig aufgefordert, zu sichern. Nicht etwa, dass ich mein Geschriebenes speichern soll. Nein, ich soll mir etwas anderes sichern. E-Mail-Betreffzeilen fordern mich dazu auf. Meistens soll ich mir Vorteile sichern, aber auch Rabatte, Sonderkonditionen, reduzierte Preise, exklusive Extras, Gutscheine, Boni, Schnäppchen, persönliche Prämien oder Glückseier. Letzteres natürlich nur vor Ostern.
In Massen strömt das seltene, exklusive (gern auch exclusive) Glück auf mich zu. Und dann zählt nur eines: Schnell sein! Denn schnell sein lohnt sich! Manchmal lohnt sich schnell sein gleich doppelt!

Wenn ich mir online alles gesichert habe, was man exklusiv und nur für kurze Zeit und nur solange der Vorrat reicht für mich bereit gestellt hat, muss ich offline damit weiter machen. Denn egal, wohin ich auch gehe – an den Briefkasten, in den Supermarkt, in die Boutique – immer muss ich mir schnell etwas sichern. Ohne Anreize und Call to actions lässt sich eben der Zielmensch zu nichts mehr bewegen. Vermutlich würde er verhungern, wenn er für den Kauf von Brot nicht mit dem ein oder anderen Paybackpunkt belohnt würde. Oder er würde zur Bäckerei schlendern, wenn sich schnell sein nicht mehr lohnt. Heute ist jeder Tag ein Wüstenrot-Tag.

Vielleicht ist die vielbeklagte Hektik, die Schnelllebigkeit unserer Zeit ja einfach nur das Ergebnis von jahrelanger, konsequenter Kommunikation aus allen Rohren. Schnell sein lohnt sich! Und vielleicht kommt das immense Sicherheitsbedürfnis der jungen Generation ja auch daher, dass man ihr immer erzählt, alles würde verschwinden, wenn man es sich nicht sofort sichert. Die einen werden eben von Lebensmittelbezugskarten geprägt, die anderen von flüchtigen Angeboten. Da soll noch einer sagen, Werbung hätte keine gesellschaftliche Relevanz.

Nachtrag: Es ist ungeheuer schwer, ohne die “Sichern Sie sich”-Formulierung auszukommen, wenn es um ein begrenztes Angebot geht. Aber ich arbeite dran …

Titelbild © Ursula Deja – fotolia.de