Es ist nicht ganz leicht, über ein zeitgemäßes Frauenbild zu reden. Schließlich schreiben wir erst 2014, das ist das Jahr, in dem „Der Bachelor“ und „Germany’s Next Top Model“ gleichzeitig im TV ausgestrahlt werden. Wir sind also noch ganz am Anfang. Uns ist nicht zu helfen, schon gar nicht von Alice Schwarzer, die in den letzten Jahren immer gern parat stand, wenn es darum ging, das Bild emanzipierter, erfolgreicher und selbstbewusster Frauen zu verzerren.

Es ist schwer zu sagen, ob die genannten Fernsehsendungen dazu beitragen, ein bestimmtes Frauenbild zu zementieren, oder ob das traurige Selbstbild vieler Frauen solche Sendungen überhaupt möglich machen. Vielleicht beides. Sicher ist aber: Bilder prägen Bilder. Was wir tagtäglich in Werbung und Redaktion sehen, hält unser Unterbewusstes für ein Abbild der Wirklichkeit. Shoppen, telefonieren und lachen – das füllt den Frauenalltag scheinbar aus.

Die größten Quellen dafür sind Agenturen wie Getty Images und Corbis. Beide zusammen verfügen über ein Archiv von beinahe 200 Millionen Bildern. Viele davon stehen Werbern für ihre Kreation zur Verfügung. Und viele davon bestehen aus Stereotypen, oft so grotesk, dass sie zur Satire taugen. Die Serie „Frauen, die allein mit Salat lachen“ ist legendär. Wie der Feminismus in der Vorstellung von Bildagenturen aussieht, ist überaus eigenwillig, wie hier sehr schön gezeigt wird.

Die kluge Frau weiß: Für die Karriereleiter braucht man gutes Schuhwerk.

© Khakimullin Aleksandr – shutterstock.com

Das ist nun auch Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg aufgefallen, die sich mit dem Thema Frauenbilder schon länger beschäftigt. Mit ihrer Non-Profit Organisation Lean-in hat sie sich zur Aufgabe gemacht, an den Stereotypen zu kratzen, wie die NYTimes vor ein paar Tagen berichtete. Dafür geht sie jetzt direkt an die Quelle: Gemeinsam mit Getty Images entstand die Lean-in-Collection – eine Collection von Bildern, die Klischees aufbrechen will. Tatsächlich ist die Serie sehr interessant. Sie zeigt Väter, die sich (ohne Anwesenheit der Mutter) um Kinder kümmern, individuell gestylte Frauen, Seniorinnen mit weißem langen Haar, Frauen mit Falten, Frauen mit ganz normalen Figuren, toughe Frauen in Beruf und Freizeit und solche, die mal keine Lust haben, zu lächeln. Die Liste der selten gesehenen Bilder ist lang und attraktiv.

Verglichen mit dem gesamten Angebot allerdings ist sie noch kaum nennenswert. Obendrein begegnen die Bilder dem Suchenden nicht einfach so – er muss die Collection bewusst anwählen. Angela Phillips vom Guardian sieht darin einen Grund, weshalb die Idee kaum mehr als einen Tropfen auf den heißen Stein bedeutet. Ihrer Ansicht nach liegt das Hauptproblem nicht beim Angebot, sondern bei der Nachfrage. So lange es Menschen gibt, die stereotype, klebrige Bilder immer wieder auswählen, wird sich kaum etwas ändern, schreibt sie. Vielleicht hat sie recht. Aber Sheryl Sandberg ist eine Frau, die sich Gehör verschaffen kann und die ernst genommen wird. Die Lean-in-Collection ist ein kleiner, aber ein sehr guter Anfang.

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